Lesedauer: ca. 7 Minuten | Thema: Brückenbau, Schwerlasttransport, Roller Skates
Der Brückenbau gehört zu den anspruchsvollsten Disziplinen des Bauingenieurwesens. Enorme Lasten, enge Toleranzen, extreme Umgebungsbedingungen – und doch muss alles präzise in Position gebracht werden. Eine Technologie, die dabei weltweit unverzichtbar geworden ist: der industrielle Wälzwagen.
Von Kuwait bis Kärnten, von den Dardanellen bis nach Flandern – Börkey-Wälzwagen sind Teil der Baugeschichte bedeutender Brückenprojekte der letzten Jahrzehnte. Dieser Artikel erklärt warum.
Warum Wälzwagen im Brückenbau?
Im modernen Brückenbau werden Brückenabschnitte häufig nicht an Ort und Stelle zusammengesetzt, sondern vorgefertigt und dann ins Endlager eingeschoben – eine Methode, die als Taktschiebeverfahren oder Vorschubverfahren bekannt ist. Dabei müssen einzelne Segmente von mehreren hundert bis mehreren tausend Tonnen über Gleitlager oder Rollensysteme präzise verschoben werden.
Der Wälzwagen ist für diese Aufgabe ideal geeignet: Er überträgt extreme Vertikallasten auf engem Raum, ermöglicht kontrollierte Horizontalbewegungen und erlaubt durch den modularen Aufbau eine flexible Lastverteilung auf viele Auflagepunkte.
Technische Anforderungen im Brückenbau
Brückenprojekte stellen besondere Anforderungen an das Transportsystem:
- Sehr hohe statische Lasten – einzelne Segmente können mehrere hundert Tonnen wiegen
- Präzise Führung entlang definierter Achsen – oft auf Stahlträgern oder Spezialschienen
- Wiederholte Lastaufnahme und -abgabe ohne Genauigkeitsverlust
- Einsatz unter Witterungseinflüssen und auf Baustellen
- Oft genormte Anforderungen an Lastaufnahme und Sicherheitsnachweise
Referenzprojekte: Börkey im globalen Brückenbau
Sheikh Jaber Al-Ahmad Al-Sabah Causeway, Kuwait (2014)
Mit 48,5 Kilometern ist diese Brücke eine der längsten der Welt. Für den Bau der Schalungsform wurden mehr als 700 Wälzwagen à 40 Tonnen Traglast geliefert. Jeder Skate musste insgesamt etwa 64 Kilometer zurücklegen – 400 Mal jeweils 80 Meter unter Last und 80 Meter leer. Ein Projekt, das die Langlebigkeit und Zuverlässigkeit der Börkey-Skates eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.
Çanakkale 1915-Brücke, Türkei (2019)
Diese Hängebrücke über die Dardanellen ist mit einer Hauptspannweite von 2.023 Metern die längste der Welt. Für den Bau der Pylone wurden 90 Wälzwagen à 100 Tonnen Traglast eingesetzt. Präzision war hier absolut entscheidend – die Skates mussten die Pylon-Segmente exakt positionieren.
A11-Brücke Brügge–Westkapelle, Belgien (2014)
Für dieses 800 Meter lange Brückenbauwerk lieferte Börkey 37 Wälzwagen à 40 Tonnen. Die Sonderausführungen mit integrierten Führungsrollen sorgten für präzise Bewegung entlang der Stahlschienen.
Mekong-Brücke, Südostasien (2015)
12 Wälzwagen à 200 Tonnen Traglast für eine Brücke über den Mekong – ein Projekt, das die Leistungsfähigkeit der Börkey-Skates im tropischen Umfeld bewies.
Jauntal-Brücke, Kärnten/Österreich (2022)
Die höchste Eisenbahnbrücke Europas. Börkey lieferte 48 Wälzwagen à 350 Tonnen sowie 12 Radsätze à 90 Tonnen – insgesamt ein Gesamtsystem für rund 17.000 Tonnen Brückenlast.
Wie wird ein Brückenprojekt mit Wälzwagen geplant?
Die Anforderungen an Sonderlösungen für Brückenprojekte sind komplex. Börkey arbeitet dabei nach einem strukturierten Beratungsprozess:
- Projektbeschreibung und Lastdaten: Gesamtlast, Maximallast statisch und dynamisch, Minimallast
- Lastverteilungsplan: Wie verteilen sich die Lasten auf die Auflagepunkte?
- Seitliche Kräfte: Werden Führungsrollen benötigt?
- Schienenbeschreibung: Material, Abmessungen, Härte und Toleranzen der Fahrbahn
- Verfahrweg und Häufigkeit: Wie oft und wie weit wird verfahren?
- Umgebungsbedingungen: Witterung, Korrosionsschutz, Zertifizierungsanforderungen
Aus diesen Parametern wird das technisch optimale Skate-System entwickelt – als Einzel- oder Kombinationslösung, mit oder ohne Führungssystem, mit Standard- oder Sondermaterial.
Führungsrollen: Präzision auf langen Strecken
Ein besonderes Thema im Brückenbau ist die Spurführung. Auf Strecken von mehreren hundert Metern kann der geringste Achsversatz zu Problemen führen. Börkey bietet dafür ein komplettes System von Führungsrollenerweiterungen (-FR-A bis -FR-E), die an den Skates befestigt werden und die Bewegung entlang definierter Stahlschienen führen.
Bei nicht absolut parallelen Schienen empfiehlt sich die Kombination aus Festlager (4 Führungsrollen) und Loslager (ohne Führungsrollen) – so kann der Skate kleine Toleranzen ausgleichen, ohne zu klemmen.
Fazit
Der Wälzwagen hat sich im modernen Brückenbau als unverzichtbares Werkzeug etabliert. Er ermöglicht die kontrollierte Bewegung extremer Lasten, ist flexibel einsetzbar und – in der Ausführung von Börkey – auf die spezifischen Anforderungen jedes Projekts maßgeschneidert.
Börkey ist der einzige Hersteller weltweit, der seit 1945 ausschließlich auf diese Technologie spezialisiert ist und heute auf über 3.000 realisierte Sonderdesigns zurückblickt.