Lesedauer: ca. 10 Minuten | Thema: Wälzwagen-Modelle, Produktauswahl, Anwendungsberatung
Die Wahl des richtigen Wälzwagens entscheidet über Sicherheit, Effizienz und Langlebigkeit eines Maschinentransports. Aber welches Modell ist für welche Last und Situation geeignet? Die Auswahl ist nicht trivial – zu viele Parameter spielen eine Rolle.
Dieser Leitfaden erklärt die Börkey-Produktfamilie systematisch und gibt Ihnen ein klares Entscheidungsschema an die Hand.
Die drei Produktfamilien im Überblick
Börkey produziert drei grundlegende Produktfamilien für den Schwerlasttransport:
- Wälzwagen (Roller Skates): Für hohe bis extreme Lasten, geringe Geschwindigkeit, Stahlschienen erforderlich
- Schwerlasträder (Heavy Duty Wheels): Für mittlere Lasten, höhere Geschwindigkeiten, verschiedene Böden
- Rollenfahrwerke WRS (Sets of Wheels WRS): Hybridlösung für mittlere Lasten, höhere Geschwindigkeiten, können für Kurvenfahrten auf zuvor definierten Radien ausgelegt werden
Teil 1: Wälzwagen – Welches Modell für welche Anforderung?
Modell N – Der Klassiker
Das Standardmodell für den allgemeinen Industrieeinsatz. Verfügbar in allen Kettenrollengrößen (Ø18 bis Ø60 mm). Erhältlich als Transport-Kit mit Drehteller und Schubstange. Charakteristisch: Seitenteile gezahnt, einfaches Handling.
Empfehlung: Einstieg in den professionellen Maschinentransport, flexible Einsatzsituationen, gelegentlicher Einsatz.
Modell C – Flachbau mit Anschweißmöglichkeit
Seitenwände überfräst und flach. Besonders niedriger Aufbau. Kann direkt an die Last geschweißt werden. Ebenfalls als C-H (H=gehärteter Mittelsteg) und C-H-50CrV4 (überlastfähig) erhältlich.
Empfehlung: Wenn die Bodenfreiheit der Maschine minimal ist oder der Skate fest mit der Last verbunden werden soll.
Modell B – Niedrig mit Schraubanschluss
Niedrige Bauweise, kann an die Last angeschraubt werden. Stabile Gehäusekonstruktion.
Empfehlung: Feste Montage gewünscht, begrenzte Bauhöhe erforderlich.
Modell A – Extra stabil, anschraubbar
Extra stabile Konstruktion mit massiver Deckplatte. Anschraubbar. Für anspruchsvollste industrielle Dauerbetrieb-Situationen.
Empfehlung: Dauerbetrieb, hohe Belastungssicherheit, feste Montage an der Last.
Modell AS-H – Für lange Transportwege
Extra stabile Konstruktion (S=seitliche Kettenführung, H=gehärteter Mittelsteg), kann angeschraubt werden. Empfohlen für längere Transportdistanzen. Rollenkette seitlich geführt zur Reduzierung des Kettenverschleißes.
Empfehlung: Transportstrecken über mehrere Meter bis hin zu hunderten von Metern.
Modell AM-H – Für permanente Bewegung
Höchste Belastbarkeit in der Standardreihe (M=mittlere Kettenführung, H=gehärteter Mittelsteg). Empfohlen für lange Distanzen UND permanente Bewegungsaufgaben (z.B. Führungssysteme in Produktionsanlagen, bewegliche Hallenteile).
Empfehlung: Wenn der Roller Skate nicht nur gelegentlich, sondern dauerhaft in Bewegung ist, Kettenverschleiß auf ein Minimum reduziert.
Twin Skate ZAS-H / ZAM-H – Doppelte Kapazität
Zwei Rollenketten in einem Gehäuse – doppelte Tragfähigkeit gegenüber einfachen Skates. Erhältlich mit 2, 3 oder 4 Rollenketten. Für extremste Lasten pro Auflagepunkt.
Empfehlung: Wenn maximale Traglast auf minimaler Grundfläche erforderlich ist.
Teil 2: Die Rollengröße – Entscheidend für Reibung und Kapazität
Die Kettenrollengröße definiert maßgeblich die Tragfähigkeit und den Reibungskoeffizienten:
- Größe I: Ø 18 mm – kleinste Ausführung, höchste Reibung (5–7%)
- Größe II: Ø 24 mm
- Größe III/IIIv: Ø 30 mm
- Größe IV: Ø 42 mm – mittleres Segment
- Größe V/VL/Vv/VI: Ø 50 mm – niedrigere Reibung (3–5%)
- Größe VIv: Ø 60 mm – höchste Tragfähigkeit pro Skate
Grundregel: Je größer der Rollendurchmesser, desto geringer die Reibung und desto höher die maximale Traglast.
Teil 3: Material – Standard oder Overload Proof?
Börkey verwendet zwei Grundmaterialien für die Kettenrollen:
- C45, wärmebehandelt auf 35–38 HRC: Standardausführung, für normale industrielle Anwendungen
- 50CrV4, wärmebehandelt auf 40–42 HRC: Overload-proof-Ausführung, für Lastspitzen, Dauerbetrieb und höchste Sicherheitsanforderungen
Die 50CrV4-Ausführung empfiehlt sich immer dann, wenn dynamische Lasten, Stoßbelastungen oder Sicherheitsnachweise nach Norm gefordert sind und eine Überlastung der Wälzwagen nicht ausgeschlossen werden kann.
Teil 4: Schwerlasträder – Wenn Geschwindigkeit zählt
Wälzwagen sind für geringe Geschwindigkeiten optimiert. Wenn eine Maschine oder ein Fahrwerk regelmäßig und mit höherer Geschwindigkeit (bis 100 m/min) bewegt werden soll, sind Schwerlasträder die bessere Wahl:
- Modell S: Bis 3,5 Tonnen, Kugellager
- Modell S/P: Bis 8 Tonnen, Pendelrollenlager
- Modell K: Kunststoff PA6, für korrosive Umgebungen
- Modell G: Gummi, für leisen Betrieb auf empfindlichen Böden
- SF, SL, SD: Feste und schwenkbare Ausführungen für Geradlauf bzw. Mehrachsbewegung
Die 5 Fragen für die richtige Wahl
- Wie schwer ist die Last? (Gesamtgewicht und Verteilung auf Auflagepunkte)
- Wie weit und wie oft wird transportiert? (Einmalig vs. Dauerbetrieb, kurze vs. lange Strecken)
- Ist Führung erforderlich? (Seitliche Kräfte, Kurvenfahrt, präzise Achsführung)
- Welche Umgebungsbedingungen herrschen? (Feuchtigkeit, Chemikalien, Temperatur)
- Gibt es besondere Anforderungen? (Zertifizierungen, Sondermaterialien, Einbausituation)
Fazit
Die Wälzwagenauswahl ist keine Katalogentscheidung – sie ist eine technische Aufgabe. Börkey bietet für jede Anforderung das passende Modell: von der einfachen Standard-Rollunterlage bis zum zertifizierten Offshore-Skate für 1.000+ Tonnen.
Wenn Sie unsicher sind, welches Modell das richtige für Ihre Anwendung ist: Börkey berät Sie kostenlos und erarbeitet gemeinsam mit Ihnen die optimale Lösung.